Die evang. Kirche Puch
Die Tochtergemeinde Puch/Wollanig war von Anfang an eine Filialkirche der Muttergemeinde Fresach.
Nördliche Ansicht unserer Kirche
Die Anzahl der Evangelischen in unserer Tochtergemeinde beträgt aktuell ca. 450 Seelen. Die Evangelische Kirche erscheint so wie auf diesem Foto seit 1938.
1783
Bau des Bethauses in Puch (langgezogener Holzbau). Angeblich durch einen Brand zerstört.
1840 – 1850
Errichtung eines Langhauses ohne Turm
1880 – 1890
Es entstand die neubarocke Kanzel nördlich des Triumphbogens Anfang 20. Jh. Einbau des neubarocken Hochaltars mit Bild „Segnender Jesus“ unter dem blauen Altargewölbe.
1937 – 1938
Errichtung eines Glockenturms mit einer 850 kg schweren Glocke, gegossen von der Fa. Grassmeier aus Innsbruck.
1986
Innen- und Außenrenovierung, sowie Neudeckung der Kirche unter Kurator Unterlerchner.
Ökumenisch interessant und erwähnenswert ist die Vereinbarung mit der kath. Pfarre Weißenstein über die Benützung unserer Kirche zur Abhaltung des kath. Gottesdienstes einmal pro Monat. Im Gegenzug findet in Weißenstein einmal pro Monat der evang. Gottesdienst statt. Natürlich gilt die Vereinbarung auch bei Begräbnissen.
Anmerkungen von Dr. Anita Ernst
Das Toleranzpatent von 1781 hatte den Protestanten eine eingeschränkte private Religionsausübung gestattet. Nach fast 200 Jahren der Verfolgung war es nun erlaubt, evangelisch zu sein. Wo sich 100 Familien oder 500 Personen zusammenfanden, durften Gemeinden gegründet, Bethäuser und Schulen errichtet, Pfarrer (Pastoren) und Lehrer angestellt werden. Wenn auch unter strengen Auflagen. Bethäuser mit Glockentürmen etwa waren untersagt. Bis Ende 1782 entstanden in Kärnten sechs evangelische („akatholische“) Gemeinden. Darunter das Pastorat Fresach-Puch, das sämtliche „Akatholiken“ der unteren Ämter der Herrschaft Spittal am linken Drauufer einband. Tochtergemeinden waren im Patent zwar nicht vorgesehen, ob der Streulage der deklarierten „Akatholiken“ aber ein notwendiger Kompromiss. Fresach war der „Zentralort“; hier hatte der Pastor seinen Wohnsitz. Von Fresach aus wurde die Tochtergemeinde Puch, an der Peripherie im Osten gelegen, seelsorgerlich betreut. Der erste Pastor hieß Levin Friedrich Kurz und kam aus Giengen im Schwäbischen Kreis. Er war im November 1782 eingetroffen. Im darauffolgenden April heiratete er in Puch seine aus Regensburg stammende Frau. Vom Pastorenhaus abgesehen, glich die Infrastruktur einer Filialgemeinde mit Bethaus und Schule jener der Muttergemeinde. Das war in Puch nicht anders. Eine evangelische Schule existierte hier seit mindestens 1786 und bis 1882. Das Schulzimmer war in einem Bauernhaus eingerichtet, später wurde das „Kuratenhaus“ als Schule adaptiert. Ein Bethaus, gemauert, aber noch nicht fertiggestellt, ist für 1786 gesichert. Aus dem Franziszeischen Kataster (1826-1829) erschließt sich der rechteckige Grundriss eines kleinen (gemauerten) Gebäudes, das vom Friedhof umgeben ist. In den Jahren 1872-1874 erfolgte dann ein Neubau bzw. großzügiger Umbau des „scheunenartigen“ Bethauses. Das aktuelle Erscheinungsbild der Kirche geht ganz wesentlich auf diese Bautätigkeit zurück. Das Langhaus mit schmalen hohen Rundbogenfenstern und vorgelagertem Chorpolygon im Osten; die Sakristei, die nordseitig an den Chor anschließt. Ein Glockenturm, obwohl längst erlaubt, fehlte. (Abb. 1) Das Langhausinnere ist mit einer Stichkappentonne, die Apsis mit einem Kreuzgratgewölbe überspannt. Die neobarocken Stilformen weisen Altar und Kanzel in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Thema des Altarbildes ist der „Segnende Christus“. Mehr als 60 Jahre später (1937-1938) wurde durch den Anbau eines Glockenturms aus dem Gotteshaus eine „richtige“ Kirche. Die Grundsteinlegung erfolgte am 22. August 1937. In Anwesenheit von Superintendent Johannes Heinzelmann, Ortspfarrer Otto Bünker und Kurator Georg Bachmann. Nach den Entwürfen des Villacher Baumeisters Galsterer wurde im Westen ein Vorhallenturm mit Eckrustika und Spitzgiebelhelm hochgezogen. (Abb. 2) Erst in den 1950er Jahren wird eine Spendensammlung die Anschaffung einer Turmuhr (und einer zweiten Glocke) ermöglichen. Umfangreiche Renovierungsarbeiten samt Neueindeckung der Kirche wurden 1986 unter Kurator Reinhold Unterlerchner durchgeführt.
Kirche in Puch, o. J. (vor 1938)
Quelle: Weißenstein. Bausteine zur Geschichte. Zusammengestellt von Ludwig F. Haderer. Weißenstein, 1996, Seite 261
Kirche in Puch mit Glockenturm, Ansichtskarte, o. J. (ca. 1950)
Evang. Pfarrgemeinde A. B. Fresach/Puch, Pfarrakten der Tochtergemeinde Puch